Donnerstag, 18. Mai 2017

Herzlich Willkommen im Club der Angearschten

Nach dem Abendessen heute legte ich mich ein wenig aufs Kanapee und beschloss, dass ich grad irgendwie nur mal ein paar Minuten Pause brauchen würde. Es war der Aufschrei von Herrn Blau, der mich hochschrecken ließ: "Das DARF doch wohl nicht WAHR sein!"
Erst dachte ich ja, es habe ihm ein wenig seine Börsensuppe versalzen, aber huch nee, das war nicht die Börsenseite, die er da fassungslos auf dem iPad anstarrte, sondern seine Kreditkartenabrechnung.
Und die besagte, dass Avis (Ihr erinnert Euch auch? Da war doch was :)) trotz wiederholtem mündlichen und schriftlichen Einspruch munter den unberechtigten (freilich zu hohen) Betrag eingezogen hatte.
"Ich hab der Kreditkartenfirma extra das Widerrufsformular per Fax geschickt."
"Aaah, wer weiß, wo das Fax jetzt liegt?"
"Mir doch egal! Ist doch ihr Service."
"Und dein Geld."
Womöglich besitzt das Faxgerät ja eine Schnittstelle mit dem Papierspender im Toilettenraum nebenan? Nichts Genaues weiß man ja schließlich nie!

Kreditkarten haben es so an sich, dass der Buchungszeitraum für gewöhnlich mitten im Monat beginnt und mitten im Folgemonat endet. Alles, was nach der "Endung" passiert, erreicht einen also erst zum Ende des Folgemonats. Für mich als.. äh.. treue Onlinekundin ist das eigentlich ein ganz guter Kniff, wenn man mit der einen oder anderen Rechnung bisschen jonglieren kann. Aber wenn man was zurückhaben will, isses natürlich blöd. Weils Geld erst mal weg ist vom Konto und man maximal 4 Wochen warten muss, eh mans wiedersieht.
Jedenfalls war ich nun wach und wurde latent genervt genötigt, aufzustehen und mich online an Avis zu wenden, da dieser ganze Buchungsvorgang über mich als ADAC-Mitglied lief. Wer über ADAC bucht, kommt nämlich günstiger. Also eigentlich. Also wenn alles reibungslos läuft. Also vielleicht.
Denn ich war ja eben nun wach und surfte ein bisschen im Internet herum. Gerne auch in Begleitung des Weißweins, den der frustrierte Herr uns beiden alsdann einschenkte.
Was man DA alles zu lesen bekam! Hättenmer mal vorher gelesen, nicht wahr? Nur angearschte Bürger wie wir unterwegs, und die Geschichten ähneln sich alle irgendwie.
Ich schwöre, es liegt am Weißwein, dass ich diese Geschichten amüsiert vorlas, insbesondere etwaige, sich stereotyp wiederholende Statements von Avis gleich dazu.

Irgendwann hatte ich jedenfalls in meinem inzwischen deutlich angeschickerten Zustand eine E-Mail an den Kundendienst abgeschickt, prophezeite angesichts der Stimmung des Mannes nur im Geiste eine Antwort in 10 - 15 Tagen (weil, der Kundendienst liegt denen doch am Häärzen, hamse gesagt!), und weil ich nun wach war, wollte ich auch Blogs lesen (Keine da! Was is los hier? Faul, oder wie?), kommentieren bei Wordpress geht momentan mal wieder gar nicht. Dafür ist die Stimmung des Mannes beim Herumsuchen im Netz besser geworden, nachdem er ein paar Stilblüten von Kindern fand, zum Beispiel "Mein Vater ist ein Spekulatius, er verdient das Geld an der Börse" oder "Schwanger werden ist einfach, man pinkelt auf ein bisschen Papier, das wars" oder "Wenn eine Frau ein Baby bekommt, wird sie eine Gebärmutter". Süß, nicht wahr? Jetzt kichern wir hier herum und jetzt hör ich mal auf mit Schreiben.
In der Hoffnung, dass wir demnächst aus dem Club der Angearschten austreten dürfen.

P.S. Nötige Deinen angeschickerten Partner nie niemals dazu, noch mal auf die nächtliche Terrasse zu kommen. Von wegen Sternenhimmel und so. Weiß doch jeder, dass Sauerstoff alles nur noch schlimmer macht. 
Als er mich beispielsweise ganz harmlos berührte, legte ich eine filmreife Harry & Sally Nummer hin.
Der Nachbar jedenfalls sitzt jetzt immer noch draußen und raucht.
Und ich werde diesen Post vermutlich morgen löschen, wenn ich wieder nüchtern bin!

Montag, 15. Mai 2017

Szenen einer Partnerschaft: "Das könntest du sein!"


Immer, wenn Herr Blau dieses oder ein ähnliches Bild irgendwo im Netz sieht, sagt er: "Das könntest du sein!" und "So warst du garantiert als Kind auch!"
Ja. War ich. Frech wie Oskar, bin jedem übern Mund gefahren (also nur denen, die ich gut kannte; Fremden erschien ich dagegen wie ein Heimchen, die in jedem Fall das Falsche von mir annahmen. Passiert mir auch heute noch, übrigens. So hin und wieder ;))
Grad wenn wir so diskutieren und ich drehe mich dann weg und will den Raum verlassen, dann ruft er mir nach: "Ich seh das, mein Frollein!"

Letztens die Heimreise von der Insel, erst fuhr er, dann ich. Er ist übrigens kein.. äh.. einfacher Beifahrer.
"Wieso fährst du so weit rechts?"
"Wieso fährst du so weit links?"
(Ich weiß nicht, was er immer hat, ich schwörs!)
"Da ist doch noch so viel Platz!"
"Fährst du eigentlich sonst auch immer so schnell?"
(Na aber man will ja irgendwann auch mal ankommen und nicht auf der Autobahn rumeiern.)
"Fahr doch nicht so dicht auf, Herrgott noch mal!"
(Fahr ich nicht, das kann ich beschwören! Aber die Beifahrerperspektive... ist keine einfache, wie es scheint.)
Wirklich, da kann auch frau Nerven lassen, ich sags Euch. Die Musik einfach richtig aufdrehen geht ja nicht, wegen seinem Tinnitus. Aber unlängst las ich, dass das Essen von Keksen übrigens neben dem sinnlichen Explodieren von Geschmacksknospen einen ähnlich entspannenden Effekt hätte: Man hört nicht mehr, was der andere sagt.
Sagen bzw. ihm Einhalt gebieten kannste aber auch nicht, weil das sofort in Streit ausarten würde. Bei irgendwas zwischen 180 und 200 kmh will ich keine Diskussionen führen, da will ich meine Ruhe haben und Musik hören, während er mit Angstgriff an der Tür klammert, um sein Leben fürchtet und mir also erzählen muss, wie ich besser fahren sollte, damit ER heil ankäme - oder aber ich solle ihn aussteigen lassen, und zwar jetzt hier und sofort!
Da bleibt einem ja faktisch nur ein bisschen Dampfausstoß aus der Nase, um wenigstens so ein bisschen den erzeugten Druck abzulassen.
Und... Bild siehe oben!

Vom letzten Einkauf habe ich mir ein paar Mini-Amerikaner mitgebracht. Die liebe ich seit meiner Kindheit. Und vor mir liegt schließlich eine Woche Home Office, die auch mit einigen Annehmlichkeiten gefüllt werden will.
"Boarrr", sagte der Mann gestern, "du hast einfach heimlich Amerikaner gegessen?? Ohne mich?!"
"Du hast doch geschlafen."
"Und da isst du heimlich und wartest nicht auf mich?"
"Woher soll ich wissen, wann du aufstehst?"
"Und da isst du einfach meine Amerikaner?"
"DEINE? Ich bin mir ziemlich sicher, dass ICH sie gekauft hab."
"Wollten wir nicht immer alles teilen, du Ego-Schnecke?"
"Sind doch noch ein paar da, was regst du dich auf?"
Zwei davon haben ihn übrigens letzte Nacht angefallen, meinte er heute Morgen. Heimtückisch hätten sie sich in der Küche aus dem Hinterhalt auf ihn gestürzt und seien direkt in seinen Mund gefallen..
Bild siehe oben!

Könnte ich endlos fortführen, diese Liste. Macht immer wieder Spaß!

Mittwoch, 10. Mai 2017

Das Frische am Norden

Ich weiß jetzt nicht genau, woher der Spruch stammt, aus irgend ner Werbung in jedem Fall. Und mir fiel irgendwie grad kein besserer Titel ein. Es geht ja auch noch mal um den Norden.
Nämlich den Küsten-Doc. Man sagt von ihm, er sei der Beste im Norden, während meine Schulfreundin sagt, es wäre dort alles "wie am Fließband". Ich denk schon, dass sie recht hat damit, aber das für mich Wichtigste ist: Er nimmt alle seine Patienten ernst.

Er führt seine Praxis in einem Nebengelass der Klinik, alt, klein, knarriger Fußboden mit Linoleum, drei kleine Räume, Empfang und Bad, das wars - und das einzig Technische auf den ersten Blick sind die Rechner-Drucker-Kombi am Empfang und der Bildschirm beim Doc aufm Tisch.

Wir sind eine halbe Stunde zu zeitig (passiert mir eigentlich nie!), ich muss ein paar Fragebögen ausfüllen (im Gegensatz zu den letzten kein einziger, der in Richtung "Wir legen Sie mal wieder aufs Sofa" geht, dabei), die wollen nur wissen, wie groß, wie schwer, ob ich rauche und so. Als ich ankreuze "Nichtraucher" und "nein, auch früher nie geraucht", denke ich kurz an eine alte Schulfreundin, die vor vielen Jahren mal zu mir sagte "Bist du sicher, dass du das Kind deiner Eltern bist? Du bist so ganz anders als deine Familie." Denn in meiner Familie hat wirklich jeder geraucht, auch die, die einst Stein & Bein schworen, sie würden nie niemals und so. Selbst die Omma hat bis zur Herz-OP, die sie leider nicht überlebte, fleißig gepafft, nebenbei Karten mit dem Papa gespielt und zur Begrüßung immer einen Kognak genommen.
Es erweist sich als hilfreich, dass ich noch vor der Bestellzeit eintreffe; vor mir sind nur zwei Patienten, aber nach mir fallen sie ein wie ein Schwarm Fliegen. "Termin haben" zählt nicht so wirklich, das weiß man, das kennt man.

Und dann sitzt er mir gegenüber, ein weißhaariger alter Herr, der mich aus freundlichen Augen anschaut und lächelt "Na was führt Sie zu mir?"
Ich erwähne kurz die Frau Mama, dass sie ihm von mir erzählte, ihm dämmert was, er schlägt ihr Kapitel im Rechner auf und murmelt "Ah ja, Morbus Still, das war das" und dann wendet er sich mir wieder zu. Ich muss ihm meine Hände reichen und soll zudrücken.
"Ihre Hand zittert."
"Ja ein bisschen."
"Wurde das schon mal kontrolliert?"
"Ja. Weil aber im Kopf nix weiter gefunden wurde, geht man von einer harmlosen Ursache aus, der man nicht weiter nachgehen muss."
"Sie nehmens mit Humor, wies aussieht?"
"Das muss ich. Das hilft mir beim Überleben."
Wir grinsen uns an.
Er fragt mich dies und das, tippt alles in seinen PC und ich muss immer grinsen, wenn ich diese Adler-such-Technik des Tippens sehe. Aber ich finde cool, dass er sich in seinem Alter noch drauf eingelassen hat. Mein Hausarzt in L hatte überhaupt keinen Computer in seiner Praxis, auch nicht am Empfang. Die hat alles immer fein säuberlich ins Buch eingetragen.

"Stellen Sie sich mal vor mich. So. Und jetzt gehen Sie mal in die Knie. Ja, richtig runter. Und jetzt wieder hoch."
Ich stütze mich kurz rechts und links ab und ziehe mich wieder hoch.
"Und jetzt machen wir das Ganze noch mal, aber ohne Abstützen."
"Das wird nix, Doktor."
"Wieso nicht? Klar wird das."
"Ne, glauben Sie mir, das wird nix."
"Ach was, klar."
Natürlich schaffe ich das nicht, kippe stattdessen nach vorn und sage: "Sehnse, hab ich doch gleich gesagt, dass ich das nicht kann" und dann lachen wir beide.
"Sind Sie sicher, dass es die Gelenke sind, die schmerzen, oder ist es die Muskulatur?"
"Hm. Hätten Sie mich das vor ein paar Jahren gefragt, hätte ich Stein und Bein geschworen, dass es die Gelenke sind. Aber wenn man sich über die Zeit mal damit befasst und weiß, dass die Muskelenden ja auf den Gelenken liegen... Ich habe, ehrlich gesagt, keine Ahnung. Ich bin nicht sicher. Auf jeden Fall spür ich den Schmerz nur in oder auf den Gelenken."
Statt einer Antwort drückt er mir zielgerichtet rechts und links mit dem Daumen in die Oberarme und ich weiß nicht, ob ich spontan an die Decke springen oder in die Knie gehen soll.
"Das ist aber beidseits."
"Ja, das war schon immer so. Schmerzen selbst hab ich trotzdem nur links. Und neuerdings in den Fingern." Und dort nimmts grad wieder zu.

Er lässt mir etliche Röhrchen Blut abnehmen.
"Diesen Flüssigkeitsverlust muss ich nachher gleich mit einem Käffchen ausgleichen!"
"Nehmense nen Pott."
"Natürlich!"
Und ich muss extra dafür unterschreiben, dass sie bestimmte Gene untersuchen dürfen.
"Welche denn?"
"Hat Ihnen der Doktor das nicht gesagt?"
"Nein, der hat gar nichts gesagt, nur, dass er viel Blut braucht."

Das Ergebnis kommt in drei bis sechs Wochen. Plus Schreiben an den Hausarzt mit einer Empfehlung, wie es dann weitergehen soll. Und ich erneuere mein Versprechen an Herrn Blau:
"Das hier war mein allerletzter Versuch. Wenn der auch nix bringt, dann lebe ich damit, dann ist es eben so. Hat es zwölf Jahre geklappt, schaff ich das die restlichen 56 Jahre auch noch. Vielleicht komm ich ja dann dafür ins Kuriositätenkabinett. Oder auf den Sondermüll."
"Mir egal", sagt er, "Hauptsache, du gehst nach mir."

Wir haben uns erfrischend lieb!

Dienstag, 9. Mai 2017

Eine Reise in Bildern

Eigentlich hieß es ja: Alle Feierlichkeiten sind abgesagt.
Eigentlich hieß es ja: Wir feiern irgendwann im Sommer nach.
Eigentlich hieß es ja: Wir kommen nur zum Gratulieren, dass wir nur mal kurz da waren.
Aber nicht umsonst heißt es wohl: "Eigentlich gibt es nicht."
Außerdem hatte ich ein Date mit dem berühmten Küstendoc, das wollte ich nicht verschieben. Man weiß ja nie, wann einem wieder Audienz gewährt wird!

Tag 1 - Die Ankunft
Mir hat der Arsch gebrannt - nach rund tausend Kilometern darf das ja auch. Aber wenn ich nur das Meer rieche, sehe, atme, schmecke... Hach ja, da vergisst man einfach alles. Ist wie mit der Geburt eines Kindes: Tut scheiße weh und kaum ist es da...



Bis zum Date war aber noch bisschen Zeit... Also an

Tag 2 - Altstadtbummel 
uuuuuuuunnndddd.....


...Käffchen natürlich! Der Kuchen gehörte natürlich zu Herrn Blau, ist ja klar. Ihr dachtet doch nicht etwa, oder? :D


Standesgemäßer Empfang in der Pension. Erst wollte ich ja ein Foto von dieser einfügen - habe mich dann aber doch dagegen entschieden. Man weiß ja nie! Wir waren beide jedenfalls ziemlich konsterniert, als wir den Raum betraten. "Omas gute Schlafstube" triffts vielleicht am besten, inklusive Dederon-Tagesdecke und nen Tiger drauf.
Herr Blau schaute mich an, ich schaute ihn an.
"Grrcchhhh", kicherte ich, "hier ist nichts mit Herrenbesuch nach 18 Uhr, mein Lieber!"
Am Abend jedenfalls hat er erst mal gefühlt einhundert Kissen entfernt inklusive des Tigers.
All das gute Zeug flog hinter irgendeinen Sessel.
"Ich hoffe, die Oma ist mir da nicht böse", sinnierte er.
"Ach wo, glaub ich nicht", winkte ich ab, während ich mir ein Kissen wieder hervorangelte. "Ich brauch was zum Anlehnen oder wie soll ich sonst am iPad spielen?"
Die war sowieso ziemlich doll unterwegs. Allein leben in diesem Haus und mit kleinem Hund, der zweifellos gut gefüttert wurde, vor einem halben Jahr einer OP am offenen Herzen unterzogen, und nun tigerte sie schon wieder munter durch die Stockwerke und besserte sich so ihre Rente auf.
Als sie erfuhr, zu welchen Feierlichkeiten wir angereist waren, winkte sie ab: "Ich finde ja, 25 Jahre sind genug. Man gründet eine Familie, zieht die Kinder auf, schmeißt die Kinder dann raus und den Mann gleich dazu und dann fängt man noch mal neu an. Ehrlich, die zweiten Beziehungen sind die besseren!" Als Herr Blau und ich feixten, sagte sie: "Ne ehrlich! Schauen Sie doch mal in die Natur! Die Meisen nebenan beim Nachbarn machen das doch auch nicht anders. Sind die Eier ausgebrütet, bringen sie ihnen das Fliegen bei, dann werden sie aus dem Nest gejagt und gut ist. So muss das auch! Wir haben grad erst wieder zugeguckt. Manche legen sie auf die Mauer, die können doch noch nicht fliegen oder nicht richtig, na gut, fallen sie halt runter und sterben. Das ist die natürliche Auslese."
Äh..... Manchmal bin ich doch froh, ein Mensch zu sein!

Tag 3 - Das Meer!


Man, war das ein Sturm! Er fegte durch die Kiefern, über den feinen Sand, durch die Haare und um die Ohren. Aber es gibt einfach keinen besseren Ort als diesen, sich dort ans Ufer zu stellen, die unfassbare Tiefe und Weite zu ahnen, das Kreischen der Möwen in den Ohren zu haben, während ich genüßlich die Augen schließe und an absolut nichts mehr denke. Nur noch genieße, genau gerade hier zu stehen, hier zu sein. Ein so herrliches Gefühl!!


...und er fährt immer noch, der Rasende Roland.
Nur an den Mietwagen mussten wir uns erst noch gewöhnen. Keine Hebel, kaum Regler für zum Beispiel Warmluft. Alles geht nur noch über das Display. Kein Problem, wenn man einen Beifahrer hat. Ohne diesen finde ich das ziemlich.. waghalsig, während der Fahrt etwas ein- oder umstellen zu wollen.
Den ersten Mietwagen tauschten wir übrigens schon nach gut hundert Kilometern. Keine fünftausend Kilometer Laufleistung - und das Vehikel schaltete mal eben in ein Notfahrprogramm mit der Bemerkung "Bring mich bitte ganz schnell in eine Werkstatt." Wir haben die Verleihstation bevorzugt und uns ein anderes Wägelchen geholt. Immerhin lag noch genug Weg vor uns, da kann man nicht großartig rumsitzen und Kaffee trinken.
Die mir nach dem Wechsel zugemailte Rechnung reklamierte ich - und die Antwort auf meine Reklamation wiederum amüsierte mich:


Sehr geil. Der Urheber des automatisierten Textes jedenfalls bewies einst Humor. Anders jedenfalls lassen sich "höchste Priorität" und "Antwort innerhalb von 10 bis 15 Tagen" nicht erklären.

Tag 4 - Die Feierlichkeiten


Die Goldene Hochzeit UND der 70. Geburtstag der Mama - ne, da darf man gar nicht Nein sagen, wenn der Babba zum Tanz auffordert. Aber ich gestehe: Ich hasse Tanzen, ich mag das überhaupt gar nicht. Und ja, ich gebe zu, weil ich es einfach auch nicht kann. Ich bin da typisch norddeutsch: Starr wie eine Eiche, es sei denn, man hätte sich heimlich einen hintergegossen. Es war also äußerst kontraproduktiv, dass ich das Buffet bevorzugt hatte.
Nu ja. Papas Füße habens überstanden.


Ein bisschen zufällig gefundenes Feuerwerk und Böllerei um Punkt Null Uhr für die Mama, und unmittelbar danach kam die Polizei mit Blaulicht. Sie haben uns aber nicht gefunden :D

Tag 5 - Die Heimreise


Genau mein Motto.
Thats it.

Dienstag, 2. Mai 2017

Alles wie immer!

Bildquelle: http://weheartit.com/entry/283050932/via/mlktalv?context_type=inspirations&inspiration_id=30


Wonnemonat Mai. Na wurde es jetzt endlich doch mal soweit, auch wenn die Temperaturen noch ein wenig hinterherhinken und es so wohl eher nix mit nem Kleidchen zum Geburtstag der Mama wird. Die haben zwar eindeutig schöneres Wetter da auf der Insel - aber auch die eindeutig kälteren Tage.
Kann man sich nun aussuchen, was man will - mild und Regen oder sonnig und kalt.
Egal: Geburtstagskuchen schmeckt mir auch bei 5 Grad, Hauptsache, der Kaffee ist schön heiß!

Am letzten Wochenende jedenfalls ließ ich schon mal einen Blumenstrauß auf die Insel schicken - Goldene Hochzeit feierten sie nämlich auch noch.
Fünfzig Jahre. Holladrihö! Das muss man erst mal aushalten und ich finde schon, dass da insbesondere die Mama eine Tapferkeitsmedaille verdient hat!
"Das Wetter ist jedenfalls besser als vor fünfzig Jahren", meinte der Papa, der inzwischen immer fitter wird und schon wieder auf irgendwelchen Dächern rumkriecht, um hier und da was festzunageln.
"Hats bei euch geregnet?"
"Ne", rief die Mama aus dem Back off, "es hat geschneit damals!"
"Waaaa? Geschneit? Und da erzählen sie uns was von globaler Erwärmung - dabei gibts auch nach fünfzig Jahren immer noch bis Ende April Schnee!"
Haben wir ein bisschen herumgegackert, auch als wir feststellen mussten, dass die zum Blumenstrauß mitbestellten Pralinen nicht mitgeliefert wurden.
"Das Schwein hat die selbst gefressen, weil wir es wagten, ihn bei DEM Wetter auf die Straße zu euch zu schicken!"
Der Papa hat dann dem Ganzen kategorisch ein Ende bereitet: "So Schluss jetzt, wir müssen uns fertigmachen, dein Bruder hat einen Tisch für uns bestellt, wir gehen jetzt schön essen."
Gönn ich Euch ja, von Herzen.
Solange Ihr Kuchen übrig habt, bis wir da sind. Ist ja bald soweit!

Die fehlenden Pralinen habe ich übrigens heute reklamiert und auf Nachfrage gestand der Florist: "Oh Gott ja, das kann gut sein, dass uns das untergegangen ist!"
Hmpf. In Deiner Tasche untergegangen, meinst Du wohl?
Hatte der Babba also den Strauß auch noch ganz umsonst verwüstet, nur um festzustellen: "Zwischen den Blumen ist auch nix!"
"Wir liefern die auf jeden Fall nach!"
Ich weiß nicht wieso, aber ich musste unwillkürlich an den einen Witz denken, wo die Oma immer großzügig Nüsse verteilt und irgendwann fragt mal einer, warum sie immer die Nüsse verschenkt. Und sie sagt dann: "Ich ess doch die Ferrero Küsschen so gerne, aber die Nüsse kann ich nicht mehr beißen!"
Aber ich hab nachgeguckt: Mit Nuss hatte ich nix bestellt.

Montag, 24. April 2017

Ich bin verlieeebt!! Ach ne, doch nicht.

Letztens aus Gründen fragte ich Herrn Blau, was für ein Weltbild ich seiner Meinung nach außen vertrete und er sagte: "Weiß ich doch nicht?!" Ich fand das komisch, schließlich kennen wir uns persönlich jetzt seit 13 Jahren, 6 Monaten und 10 Tagen. Gut, es gab lange Auszeiten dazwischen, aber... Na gut. Er sagt ja auch nicht umsonst, dass ich ihn besser kennen würde als er sich selbst - wie sollte er da erst mich kennen?
Dafür weiß ich zum Beispiel, dass ich auf bestimmte Antikmöbel steh und er auf bestimmte Antikfahrzeuge. Hat zwar jetzt nix mit Weltbild zu tun, macht jetzt aber auch nischt.
Und während ich einige ausgewählte Schmuckstücke mit in diese Beziehung brachte, für die uns hier aber irgendwie ein bisschen Platz fehlt (fragt bloß nicht, was die Wohnungssuche macht), fügte er im Sommer vor drei Jahren (nach ausgedehnter, wohlüberlegter Suche) sein Schmuckstück hinzu, das winters sein Dasein in der Tiefgarage fristet und sommers gerne ausgeführt wird. Mir wäre das ja nix! Das wäre ja so, als würde ich mir ein Paar Manolo Blahniks gönnen und dann nicht ausführen, damit die rote Sohle nicht zerkratzt. Ausgedehnte, wohlüberlegte Suche ist bei mir aber auch eher nicht so. Ich bin da eher der Affektmensch: Sehen, gefallen, mitnehmen.
Habe ich jedenfalls mit dem Mann so gemacht, damals.
Aber er hat ja recht: Ab einem gewissen.. äh..  Budget wäre dieses Verhalten durchaus fatal.
Jedenfalls - er liebt sein Antikschnittchen. Er liebt es so sehr, dass er gerne auch einmal im Jahr auf die Wiese fährt, wo alle Freaks ihre Schnittchen zeigen. Und wenn ich nicht will, dass wir auch die Wochenenden getrennt voneinander verbringen, ja dann lasse ich mich halt mitschleifen, friere mir den Arsch ab trotz des Mantels (wie kann es von einen auf den anderen Tag glatte zehn Grad kälter sein?), atme irgendwann nur noch flach und kurz, weil ich von der benzolgeschwängerten Luft irgendwie schon ganz kirre geworden bin - und dann verliebe ich mich auch noch!



Hach! Das wäre mal ein Traum! N flotter Roter wäre mir ja zwar lieber, aber hey, in der Not...
Ich schlich um den Kleinen rum wie einst um Herrn Blau: "DER wäre doch was! Für den Sommer! Für Italien! Für das Meer! Für Südfrankreich! Für..."
Aber ich gab mich geschlagen: Fahrspaß auf der Autobahn ist bei mehreren hundert Kilometern dann vielleicht doch was anderes (man ist ja doch nicht mehr die Jüngste!), Spaß im Auto wäre vielleicht auch nur mit tollkühnsten Verrenkungen irgendwie so halbwegs möglich (wahrscheinlicher wäre aber dann eher ein anschließender Termin beim Chiropraktiker), aber das entscheidende Kriterium:
Der kleine Knaller hat keine Musik drin. Nix. So gar nix. Nicht mal Radio. Dafür einen Feuerlöscher. Ernsthaft jetzt. Da, wo neue Autos ihre Mittelkonsole haben, trägt dieser Kleine einen Feuerlöscher. Ich vermute mal, aus Gründen.
Ja sorry.
Dann geht das leider nicht mit uns.

Dienstag, 18. April 2017

Blue Monday

Der Tag fing schon irgendwie komisch an. Nicht nur weit vor der Zeit erwacht - ich war mir zunächst auch nicht sicher: "Wo bin ich? Welcher Tag ist heute? Hab ich heut noch frei?"
Äh... Ne! Leider nicht.
Trotzdem noch mal die Decke bis an die Ohren ziehen und die Augen schließen.
"Noch fünf Minuten!"
Herr Blau musste mich dann wecken und auch den Kaffee kochen, den er normalerweise immer von mir serviert bekommt. Also jedenfalls wochentags.
Der Blick aus dem Fenster... och ne oder?!
War angekündigt, trotzdem hatte ich gehofft, dieses Schietwetter würde einen Bogen um uns machen. Einen möglichst richtig großen Bogen! Aber neeee....


Kaum vorstellbar, dass man vor ein paar Tagen noch im T-Shirt draußen geschwitzt hat. Ja, im T-Shirt!
Er hat sie dann von der Terrasse gerettet, der Herr Blume die Blauen. Ach ne, andersrum - der Herr Blau die Blumen.
"Musst du heut nicht arbeiten?" fragte er dann, bevor er ging und ich schaute entspannt auf die Uhr.
"Ja, aber erst ab acht und es ist erst halb."
Um 8.20 Uhr fiel mir dann ein, dass es da ja noch ein Diensttelefon einzuschalten gab. Die ersten Anrufe waren dann auch schon aufgelaufen von Kollegen, die glaubten, ich sei im verlängerten Osterurlaub. Wäre mein gesamtes Urlaubstagekontingent nicht schon arg verplant - ich hätte dann wohl doch noch ein paar Tage drangehangen. Tat gut irgendwie, diese lässige Pause von vier Tagen, an denen man zu nix verpflichtet war. Ich befand mich noch eine Stunde nach dem Aufstehen in dem Modus, der unlängst im Web beschrieben wurde mit "In mir schlummert ein Tier. Ein Faultier."
Angesichts dieser slow motion hätte ich mich ja gerne so hier auf Trab gebracht:

Bildquelle: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=1241889025924166&set=a.166168533496226.34860.100003092423253&type=3&theater

Es war dann aber eher das lahmarschige Netzwerk, das mich in Nullkommanix bis an den Rand des Erträglichen brachte, so dass ich mich nur mit Müh und Not selber davon abhalten konnte, Laptop, Maus & Co. über die Brüstung zu werfen - und das nervige, permanent klingende Diensttelefon gleich hinterher. Da denkt man, die Allgemeinheit ist noch im verlängerten Ostermodus - Scheißchen! Jeder will was, alles muss gleich - und nix geht bei diesem verdammten Drecksnetzwerk, das mich, wenn es ihm zuviel wird, auch mal gleich ganz rausschmeißt und mir dann irgendwas von Tunnelfehlern erzählen will. Pfffff!
Innerlich gar gekocht war ich dann aber beim Einwählen in das Kundencenter der Telekom.
Ich hab mich ja früher schon über diese pinken No-Gos aufgeregt, aber heute fühlte ich mich einmal mehr bestätigt darin, dass mir privat DIESE Leute nie niemals nicht ins Haus kommen. Da eher schreibe ich lieber wieder Briefe oder rufe auch sogar mal an (was jeder, der mich kennt, weiß, tatsächlich was zu bedeuten hat - denn Telefonieren mag ich so gar nicht).
Nicht nur, dass die seit rund 3 Jahren unfähig (oder unwillig) sind, eine E-Mail-Adresse zu akzeptieren, wohin man sich die Rechnungen schicken lassen kann - nein, man muss sich partout in diese blöde Kundencenter einwählen - und die Rechnung durfte ich online nicht anschauen - dank Ad Blocker, mir aber auch nicht ungesehen herunterladen, ohne meinen Ad-Blocker temporär zu deaktivieren.
Inzwischen klingelte die Mittagsuhr (also der Bauch) - und ich durfte feststellen, dass das vier Tage alte Brot sich über Nacht fröhlich ein paar grüne und weiße Blumen hatte stehen lassen.
Na toll! Zumal es sich hier um das allerletzte zu beißen im Hause blaues Ziggenheim handelte. Sieht man von etlichen Puddingbechern ab - aber davon kannste ja jetzt auch nicht satt werden! Ganz toll dann auch, in genau diese Stimmungsphase ein lecker Foto vom Mann zu bekommen und dem mit noch fröhlicheren Smileys unterlegten "Mahlzeit!"
Nun war mir alles egal - ich habe den Kühlschrank geplündert, was auch immer der noch hergab. Ein etwaiger Kalorienzähler wäre an dieser Stelle vermutlich explodiert, mir aber auch grad sowas von scheißegal - Hauptsache, die Synapsen beruhigten sich wieder.

Und siehe da: Der erste Schnee des Morgens taute wieder, das Netzwerk hatte sich auch eingekriegt und der Junge hatte vermeldet, dass er trotz Schneechaos und Blitzeis gut wieder zu Hause angekommen war. Ist vielleicht doch nicht alles blöd am Montag!